Arbeitskollegen nun wieder. Wie in Unternehmen üblich, fühlen sie sich unterbezahlt und besprechen regelmäßig potentielle Einnahmequellen, bei denen für mehr Geld weniger zu tun ist.
Kollege J. berichtet von einem Goldesel: Roulette im Internet. Eine Software mit dem Namen Cash Generation Pro realisiert Gewinne von 200 bis 500 Euro am Tag. ‘Das ist todsicher. Ich habe die Software ausprobiert und richtig viel gewonnen.’ Leider nur Spielgeld, da Demoversion. Um richtiges Geld zu verdienen, braucht es die Installation der Vollversion.
Diese Vollversion wird in selbstlosem, altruistischem Ton auf der Website cashgenerationpro.com angeboten: ‘Das einzige, was wir von Ihnen möchten, ist, dass Sie mit dem Cash-Generation-Pro-Paket Geld verdienen.’ ‘Nach jahrelangen Analysen, Vergleichen und Erfolgen haben wir uns dazu entschlossen, unsere Cash Generation Pro genannten Techniken bekannt zu machen.’ ‘Wir sind uns sicher, dass Sie schnell und einfach viel Geld verdienen können, danach zurück auf unsere Website kommen und uns einen Geldbetrag als Zeichen Ihrer Wertschätzung spenden.’
Ganz schön edel. Verblüffende Idee, ein Geschäftsmodell zu finanzieren durch die Spenden dankbarer Zocker. Aber irgendwie ist das unlogisch. Die Software, mit der sich das leichte Geld machen lässt, gibt es erst, nachdem die Spende auf einem Paypal-Konto eingegangen ist. Möglicherweise ist das mit der Spende aber nicht so ernst gemeint. Denn gespielt werden soll vorzugsweise bei fünf Onlinecasinos, die über eine Referrer-ID zu erreichen sind, und sicherlich eine Provision für jede Neuregistrierung ausschütten. Ausgewählt sind diese fünf Online-Casinos, weil sie sinngemäß zu dumm sind, die Tricks der Spieler zu durchschauen. Im Gegensatz zu allen anderen Casinos, wie die Website mehrfach warnt. Da würden die Leute hinausgeworfen, wenn sie auffliegen und in den USA sogar strafrechtlich verfolgt. Ist das so? Antwort: Nein! Nicht wegen ‘Tricks’ wie Verdoppeln, mit denen die Software hantiert… also, 10 Euro auf rot - schwarz gewinnt - 20 Euro auf rot, usw. bis rot gewinnt.
Mediale Bestätigung für die ‘revolutionäre’ Software wird durch einen angeblichen Artikel in dem noch angeblicheren Magazin ‘INM - Investitionen in neue Märkte’ suggeriert. Dem Cover nach ist das Magazin kostenlos und so bekannt, das es von google nicht gefunden wird. Ich glaube auch nicht, dass sowas Leser anzieht - wie armselig der Titel schon aussieht, das hat bestimmt jemand gemacht, der nur Microsoft Paint kennt.
Die Website maibee.com, nach eigenen Angaben eine Gruppe von Wahrscheinlichkeitsexperten, nennt das tolle System übrigens nicht Cash Generation Pro sondern Adlermethode. Auch diese Wahrscheinlichkeitsexperten bieten eine Software zum Download (’100 Prozent virenfrei’). Allerdings werden hier vier ganz andere Casinos empfohlen, die sich abzocken lassen - vor allen übrigen wird entsprechend gewarnt. Spenden sind auch hier ein wichtiges Thema (’…, möchten Sie vielleicht Ihre Dankbarkeit ausdrücken’). Die Adlermethode kann leider nicht auf ein Presseecho verweisen, dafür wird sie gestützt durch ein französisches Certificat de Dépot mit der Nummer 3G34177. Was immer das zu bedeuten hat.
Ich bin wahrscheinlich kein Wahrscheinlichkeitsexperte. Aber ich kann das ja mal versuchen und gebe dem Kollegen J. den Hinweis: ‘Das klappt wahrscheinlich nicht!’